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Unternehmen und ganze Volkswirtschaften stehen vor der Herkulesaufgabe, ihre digitale Transformation sicher zu gestalten. Diese Herausforderung wird dadurch nicht einfacher, dass ihnen kriminelle Organisationen in ihrer digitalen Transformation oft schon meilenweit voraus sind und grandiose Geschäftserfolge feiern.

Das Klischee des Hackers im Kapuzenpulli hat zu einer Unterschätzung der Bedrohungslage geführt. Der wahre Kern dieses Klischees ist, dass Angreifer in den achtziger, neunziger und nuller Jahren über hohe technische Fertigkeiten verfügten, aber geringe kriminelle Fähigkeiten hatten und somit auch die Monetarisierung ihrer Fähigkeiten nicht in Betracht zogen. Es ist kein Zufall, dass heute oft Datendiebstähle ans Licht kommen, die bereits vor vielen Jahren ausgeführt wurden. Die Hacker haben es einfach nicht zeitnah geschafft, Kundschaft für ihre Datensätze zu finden. Und wenn doch, waren sie über die Geldflüsse mangels ihrer kriminellen Erfahrung leicht für die Behörden zu fassen.

Die ersten Cyberkriminellen, die wirklich von ihrer Tätigkeit leben konnten, waren die Spammer. Doch das waren bescheidene Anfänge. Sie konnten sich vielleicht nach einigen Jahren ein Auto kaufen, nicht aber eine Yacht. Im Vergleich zur heutigen Bedrohungslage erscheinen diese Cyberkriminellen der vergangenen Jahrzehnte eher wie Hütchenspieler in der Fußgängerzone.

Die Entwicklung hin zu Mafia …

Heutige Cyberkriminelle drehen ein viel größeres Rad. Das Potenzial krimineller digitaler Geschäftsmodelle ist unermesslich. Und das hat die Mafia in den letzten Jahren genau beobachtet und ausgelotet. Wie jedes professionelle Unternehmen haben auch mafiöse Organisationen Ziele, Pläne, Strategien – und denken über effiziente Prozesse nach. Es war nicht schwer für die Halbwelt festzustellen, dass sich viele ihrer Geschäftsprozesse hervorragend digitalisieren lassen: Geldwäsche, Schmuggel, Spionage, Erpressung, Geiselnahme, Schutzgelderpressung, Raub, Sabotage und natürlich der gesamte Schwarzmarkt u. a. mit Drogen- und Waffenhandel. Die Digitalisierung bietet viele Vorteile: Gebietsstreitigkeiten fallen weg, die Reichweite steigt, der Verfolgungsdruck sinkt, das Personal lässt sich dort rekrutieren, wo es am günstigsten ist. Zum Beispiel funktionieren Schwarzmärkte besser, wenn man elegante Wege findet, viele Leute aus aller Welt zu erreichen. Man könnte sagen: Niemand hat das Internet und auch das Darknet so dringend gebraucht, wie die organisierte Kriminalität.

Darüber hinaus ist es für gut vernetzte Kriminelle ein leichtes, sich vorkonfigurierte Hackingtools im Darknet zu kaufen: Advanced-Threat-Pakete, Zero-Day-Threats, unbekannte Schwachstellen, Knackpakete für IT-Infrastrukturen – alles verfügbar, anwenderfreundlich und teilweise kaum schwerer in Betrieb zu nehmen wie eine App auf dem Smartphone. Am Rande bemerkt: Zu den wichtigsten Abnehmern solcher Tools gehören neben kriminellen Organisationen Staaten und Regierungen.