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Das beste Beispiel, wie professionell kriminelle Organisationen die digitale Transformation angehen, ist die Ransomware Locky. Diese digitale Erpressung mit Locky war ein vorbildlich durchorganisierter Produktlaunch. Eine arbeitsteilige Organisation kümmerte sich um Vertrieb, Marketing und Support. Die Macher hatten offenkundig eine perfekte Marktrecherche unternommen. Sie erreichten mit ihren Mailings bereits in den ersten Tagen eine fantastische Conversion Rate mit zehntausenden von Kunden. Die meisten Start-ups wären von einem solchen Erfolg heillos überfordert – alleine die Verwaltung der Kundendaten hätte jedes Jungunternehmen an seine Grenzen gebracht.

Nicht so die Locky-Macher, deren Identität weiter unklar ist. Diese zeigten sich bestens vorbereitet auf die hohe Nachfrage. Der Vertrieb erreichte, dass tausende Kunden das Verschlüsselungsprogramm nutzen, bevor auch nur erste Barrieren dagegen errichtet waren. Das Produktmanagement hatte ganze Arbeit geleistet, was das User Interface, die Performance und „Sicherheit“ der Verschlüsselung anging. Das Marketing erreichte, dass sogar der FBI den Interessenten empfahl, Lösegeld für die Entschlüsselung zu zahlen. Die Kundenbetreuung stellte sicher, dass jeder zahlende Kunde den korrekten Entschlüsselungscode erhielt. Der Support war zur Stelle, wenn ein Kunde Probleme hatte, seine Daten wieder zu entschlüsseln. Mitarbeiter halfen per Chat und waren offenkundig auf eine hohe Kundenzufriedenheit aus. Das Management hat peinlich darauf geachtet, dass auf sozialen Medien keine Meldungen über Probleme zahlender Kunden auftauchten – was dem Geschäftsmodell den Boden entzogen hätte. Mit anderen Worten: Einen solchen straff organisierten Launch schaffen in der legalen Welt nur eine Handvoll Unternehmen. Samsung zum Beispiel nicht.

Wie in der legalen Wirtschaftswelt wird die digitale Transformation nun fortschreiten und nicht mehr nur eine gesteigerte Effizienz, sondern auch eine gesteigerte Effektivität ermöglichen. Locky zeigt bereits in Ansätzen auf, wie eine kriminelle Organisation ihre gesamte Supply Chain erfolgreich digitalisiert und Produkte optimal individualisiert. „Losgröße 1“ heißt das in der Industrie 4.0.